Kaum zwei Jahre nach dem Debüt erhält der Xpeng G6 sein erstes Update. Optisch bleibt das elektrische SUV-Coupé veraut, technisch legt der Hersteller jedoch spürbar nach. Neue LFP-Batterie, 800-Volt-Architektur und bis zu 451 kW Ladeleistung versprechen einen Quantensprung. Wir haben getestet, wie sich der neue Xpeng G6 auf der Straße schlägt.


Exterieur: Feinschliff mit Signalwirkung
Revolution statt Evolution? Nicht ganz. Der 4.758 Millimeter lange G6 bleibt seiner fließenden Silhouette treu. Die sanft abfallende Dachlinie, die hohe Schulterpartie und die schmale Heckscheibe prägen weiterhin das Bild.

Neu ist das 1,94 Meter breite LED-Lichtband an der Front, intern „Starlight Wing“ genannt. Beim Setzen des Blinkers färben sich die äußeren Segmente orange. Am Heck sorgt ein modifizierter Diffusor für einen cW-Wert von knapp unter 0,25.

Auffällig ist die Blinklogik: Aktiviert man den Fahrtrichtungsanzeiger, erlischt das Rücklicht auf der entsprechenden Seite vollständig. Ein Wechsel zwischen orange und dunkel, der Aufmerksamkeit garantiert.
Interieur: Modern, geräumig und stark digitalisiert
Innen zeigt sich das Facelift deutlicher. Ein neu gestaltetes Lenkrad und das 15,6 Zoll große Zentraldisplay dominieren das Cockpit. Türtafeln und Armaturenbrett integrieren nun ein Ambientelicht.



Die Mittelkonsole wurde überarbeitet und bietet neue Induktionsflächen sowie Becherhalter. Im Fond überrascht der G6 mit Großzügigkeit: viel Beinfreiheit, ausreichende Kopffreiheit trotz coupéartiger Linie. Das Kofferraumvolumen beträgt 571 Liter, bei umgeklappter Rückbank sind bis zu 1.374 Liter möglich.

Die Materialwahl überzeugt. Kaum Hartplastik, stattdessen recycelte Werkstoffe und Lederersatz oder Nappaleder für die Sitze. Das 18-Lautsprecher-System „Xopera“ liefert einen satten Klang.
Motorisierung: AWD Performance mit 800-Volt-Ansage
Im Mittelpunkt der Modellpflege steht die Technik. In der von uns getesteten AWD-Performance-Version des Xpeng G6 bedeutet das konkret folgendes: Statt der bisherigen NCM-Batterie verbaut Xpeng nun ein neues LFP-Akkupaket mit 80,8 kWh brutto beziehungsweise 80 kWh netto. Damit schrumpft die Kapazität nominell um rund 7 kWh, doch der Fokus verschiebt sich klar: weg von maximaler Energiemenge, hin zu Ladegeschwindigkeit, Haltbarkeit und Effizienz.

Die LFP-Chemie kommt ohne Kobalt und Mangan aus und soll laut Hersteller rund 30 Prozent langlebiger sein. Entscheidender ist jedoch die Einbindung in die 800-Volt-Architektur. Sie bildet die Grundlage für eine maximale DC-Ladeleistung von bis zu 451 kW. Der standardisierte Ladestopp von 10 auf 80 Prozent soll damit in lediglich zwölf Minuten möglich sein – ein ambitionierter Wert, der aktuell allerdings an der noch dünnen Hochleistungs-Infrastruktur scheitern kann. Angetrieben wird die AWD-Performance-Variante von zwei Elektromotoren – einem Asynchronmotor an der Vorderachse und einem Permanentmagnet-Synchronmotor an der Hinterachse.

Zusammen liefern sie 358 kW (487 PS) und 660 Nm Drehmoment. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 4,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 202 km/h. Der kombinierte WLTP-Verbrauch beträgt 18,4 kWh pro 100 Kilometer, die Reichweite wird mit 510 Kilometern angegeben. Damit positioniert sich die Allradversion nicht als kompromissloser Effizienzmeister, sondern als leistungsstarker Langstreckenstromer mit klarer Schnelllade-DNA.
Fahrverhalten: Komfort vor Kurvendynamik
Trotz der eindrucksvollen Leistungsdaten versteht sich der G6 nicht als Sportler. Das Fahrwerk ist weich abgestimmt und klar auf Komfort ausgelegt. Unebenheiten filtert der 2.220 Kilogramm schwere Crossover souverän weg, lange Autobahnetappen absolviert er leise und entspannt.

Die Lenkung arbeitet präzise. Insgesamt vermittelt der G6 den Charakter eines Schnellgleiters: flott, leise, stressfrei. Die Assistenzsysteme arbeiten angenehm zurückhaltend.
Fazit
Das Facelift des Xpeng G6 ist weniger ein optisches Update als ein technischer Befreiungsschlag. Mit der neuen LFP-Batterie, 800-Volt-System und einer maximalen Ladeleistung von 451 kW positioniert sich das SUV selbstbewusst im Wettbewerbsumfeld von BMW iX3, Mercedes-Benz GLC EQ und Tesla Model Y.

Auf der Straße überzeugt der G6 vor allem als komfortabler Langstrecken-Stromer mit großzügigem Raumangebot und solider Verarbeitung. Wer weniger Kurvenhatz und mehr entspanntes Gleiten sucht, findet im G6 einen überraschend reifen Vertreter der elektrischen Mittelklasse.






