Kombi klingt nach Vernunft. VZ nach Verlockung. Und genau dazwischen rangiert dieser Spanier: 4,66 Meter lang, 620 Liter Kofferraum, 333 PS stark – und serienmäßig mit Allrad. Der aktuelle Leon Sportstourer ist ein Auto für alle Lebenslagen.

Exterieur – Scharfer Blick, klare Kante
„Kombi“? Das Wort vermeidet man bei Cupra konsequent. Stattdessen heißt das Langheck Sportstourer – und spätestens seit dem Facelift 2024 wirkt der Unterschied zum weiterhin gebauten Seat Leon deutlicher denn je. Die neue Front im Stil der elektrischen Cupra-Modelle verleiht dem 4.656 Millimeter langen Sportkombi eine markante, fast haifischartige Nase.

Die spitzen Scheinwerfer – optional mit adaptiver Matrix-LED-Technik – zeichnen drei prägnante Tagfahrlicht-Dreiecke ins Gesicht. Obwohl keine neuen Blechteile an Kotflügeln oder Motorhaube verbaut wurden, wirkt das Update erstaunlich umfassend. Nebenbei wuchs die Karosserie um rund zwei Zentimeter. Am Heck spannt sich eine LED-Lichtleiste mit rot illuminiertem Markenlogo über die Breite.

Der Öffner der elektrischen Klappe wanderte in eine kleine Schräge unter dem rechten Rücklicht – funktional, aber gewöhnungsbedürftig. Alternativ öffnet man per Taster in der Fahrertür, per Fußsensor oder mit dem Schlüssel. Praktisch: 620 Liter Gepäckraum stehen bereit. Alltag kann er.
Interieur – Digitaler Feinschliff
Im Innenraum dominieren Sportlichkeit und Technik. Das nun 13 Zoll große, zum Fahrer geneigte Touchdisplay reagiert spürbar schneller als zuvor, die Software wurde grundlegend überarbeitet. Die Bedienung ist klarer geworden, auch wenn die beleuchteten Slider unter dem Bildschirm weiterhin nicht zur Königsklasse der Ergonomie zählen.

Serienmäßig sitzen Fahrer und Beifahrer auf Sportsitzen mit Mikrofaser-Bezügen. Sie bieten starken Halt und bleiben langstreckentauglich bequem. Die integrierten Kopfstützen passen selbst großen Personen. Optional lockt ein Paket mit Schalensitzen – optisch spektakulär, im Alltag jedoch deutlich kompromissbehafteter.

Für Vielfahrer bleibt das Seriengestühl die bessere Wahl. Neu ist auch das optionale Soundsystem von Sennheiser. Es ersetzt die frühere Beats-Anlage und überzeugt mit klarem Bass schon bei niedriger Lautstärke.

Zur Serienausstattung zählen unter anderem Dreizonen-Klimaautomatik, elektrische Heckklappe mit Sensorsteuerung, Netztrennwand, Sportsitze, das große Infotainment-Display sowie ein umfassendes Assistenzpaket inklusive „Travel Assist“, der Tempo und Abstand bis 210 km/h regelt.

Motorisierung – 333 PS mit Nachdruck
Das Herzstück des VZ ist der zwei Liter große Vierzylinder-Turbo mit 1.984 ccm Hubraum. Nach dem Facelift leistet er 245 kW / 333 PS (zuvor 310 PS) bei 5.600–6.500 U/min. Das maximale Drehmoment von 420 Nm liegt zwischen 2.100 und 5.500 U/min an. Gekoppelt ist der Motor an ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, die Kraft verteilt ein Allradantrieb auf alle vier Räder.

Das Ergebnis: 0–100 km/h in 4,8 Sekunden und elektronisch begrenzte 250 km/h Spitze. Der 55-Liter-Tank speist einen Motor, der mit Energie großzügig umgeht. Der Normverbrauch liegt bei 8,3–8,4 Litern, real pendelt sich der Testwert bei 9,5 Litern ein.

Unter zehn Liter bleibt man nur mit sehr zurückhaltendem Gasfuß. Sportlich bewegt, sind zweistellige Werte die Regel. Leer wiegt der Sportstourer 1.651 Kilogramm. Er darf 1.700 Kilogramm gebremst ziehen, trägt 75 Kilogramm Dachlast und 80 Kilogramm Stützlast. Somit ist ein Familienurlaub inklusive Anhänger überhaupt kein Problem.
Fahrverhalten – Zwischen Gleiter und Grenzbereich
Serienmäßig verfügt der VZ über adaptive Dämpferregelung (DCC), die im Zuge der Modellpflege neu abgestimmt wurde. Die Spreizung zwischen Komfort und Sport ist nun deutlich größer. Im Alltagsmodus federt der Leon souverän, Querfugen verlieren ihren Schrecken – trotz 19-Zoll-Rädern im Format 235/35 R19 (GoodYear UltraGrip M+S bzw. Bridgestone Potenza S005). Wechselt man in die Modi „Sport“ oder „Cupra“, zeigt sich die andere Seite. Das DSG schaltet blitzschnell zurück, der Turbo baut Druck auf, der Kombi stürmt los.
Die Progressivlenkung arbeitet präzise, mit klarer Rückmeldung. Dank Allradantrieb bleibt das Fahrverhalten selbst bei ambitionierter Gangart gut kontrollierbar. Die variable Momentverteilung unterstützt das Einlenken spürbar. Optional ist eine verstärkte Akebono-Bremsanlage erhältlich (374 mm Scheiben vorn statt 370 mm, Sechskolben-Sättel). Sie bietet einen noch direkteren Druckpunkt und hohe Standfestigkeit bei wiederholten Vollbremsungen – vor allem für Track-Day-Enthusiasten interessant.

Auch Tuning-Fans kommen auf ihre Kosten: Ab Sportsline gibt es eine Leistungssteigerung auf 400 PS und 470 Nm. Die Beschleunigung auf 100 km/h verkürzt sich auf 4,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit bleibt bei 250 km/h.
Fazit
Der Cupra Leon Sportstourer VZ verbindet, was selten zusammengeht: Platz und Performance, Komfort und Konsequenz. Vier Personen reisen bequem, 620 Liter Gepäck verschwinden im Heck – und wenn die Straße frei ist, sprintet der Kombi in 4,8 Sekunden auf 100 km/h. Wer eigentlich einen Sportwagen will, aber einen Kombi braucht, findet hier die eleganteste Lösung.








